Chronik

Chronik der FFW Ottenhofen aus der Festschrift 900 Jahre Ottenhofen von 1985

1888 Anerkennung FFW.jpgAnerkennungDie Hofmark Ottenhofen hat bis zum Jahre 1876 den Feuerschutz der Gemeinde - soweit es die Ausrüstung betraf - wahrgenommen. Personell war der Einsatz durch die Pflichtfeuerwehr gegeben. Als Gegenleistung verzichtete die politische Gemeinde auf die Steuerquelle "Lokalmalzaufschlag". Man darf nicht außer Acht lassen, dass die Hofmark eine gut florierende Brauerei, seit 1701 mit eigenen Gaststätten, unterhielt. Der Lokalmalzaufschlag wäre eine gute Steuerquelle für die Gemeinde gewesen.

Trotzdem, als die Anschaffung einer neuen Saug- und Druckspritze mit 50 Meter Schläuchen anstand, war die Gemeinde wieder aufgerufen. Die Gemeindeväter lehnten mit der Begrüdung ab, dass kein Geld da sei.

Es stand an: Erhebung des Malzaufschlages und Feuerschutz durch die Gemeinde mit einer freiwilligen Feuerwehr. Unter großen Geburtswehen wurde die Freiwillige Feuerwehr 1876 geboren. Doch nach den ersten Gehversuchen hat sich die Wehr wieder aufgelöst. Der gewählte Hauptmann Georg Gruber stand als Schäffler beim Gutsherrn im Diensten und musste seine Arbeit aufgeben. Der Vorstand Martin Neumüller trat daraufhin zurück.

Dieses Ringen ging hin und her, bis am 16. Mai 1885 das königliche Bezirksamt Ebersberg die Gemeinde aufforderte, sich am 30. Mai 1885 im Gasthaus Ottenhofen zu versammeln und die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr zu vollziehen. Es waren 36 Personen anwesend, die vorher schon dem Bezirksamtmann Hager das Versprechen gaben, sich als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr anzumelden.

1890 Saug+Druckspritze.jpgSaug- und DruckspritzeDie Wahl des Verwaltungsrates ergab folgendes Resultat:
1. Vorstand: Neumüller Martin, Wirt in Unterschwillach
1. Kommandant: Neumaier Andreas, Bauer in Wimpasing
Adjudant: Ludwig Anton, Schuster in Herdweg
Kassier: Deutinger Michael, Krämer in Ottenhofen
Zeugwart: Aschenbrenner Ignatz, Zimmermann in Ottenhofen
Die übrige Mannschaft teilte siche in 7 Steiger, 21 Spritzmänner, 6 Ordnungsmänner. Dem Kommandanten wurde eine zweitönige Hupe vom Bürgermeister übergeben.

Am 7. Oktober 1888 gab sich die Freiwillige Feuerwehr ihre eigene Satzung, die u.a. besagte, dass ordentliche Mitglieder einen monatlichen Beitrag von 10 Pfenning und außerordentliche Mitglieder jährlich 2 Mark in die Vereinskasse zu zahlen hätten.

Die freiwillige Feuerwehr hielt jährlich ihren herkömmlichen Ball ab und zwar im Turnus in Ottenhofen - Herdweg - Schwillach.

Der Chronist vermeldet, dass beim Feuerwehrball 1894 zu Herdweg Nichtmitlgiedern unter Bezahlung von 1 Mark der Eintritt gewährt wurde und einige junge Leute zu Ende des Balles sich ungebührlich benahmen. Die anwesende, patrouillierende Gendarmerie von Schwaben erklärte den Ball als öffentliche Tanzmusik. Nachdem hierfür die bezirksamtliche Erlaubnis nicht erholt wurde, wurde Anzeige erstattet. Herr Bürgermeister und Vorstand Anton Brummer wurde zur Verantwortung gezogen und mit einer Geldstrafe von 18 Mark oder 3 Tagen haft verurteilt. Diese Vorkommnisse bewirkten einen besseren Schulterschluss zwischen Gemeinde und Wehr.

1930 Armen und Spritzenhaus.jpgGemeinde- uns Spritzenhaus1901 wurden Erhard Lacher, Wirtssohn zu Ottenhofen zum Vorstand, Martin Altmann - Hatzibauer - von Unterschwillach zum Kommandanten gewählt. Bereits 1906 wurden sie von Bürgermeister Georg Selmair als Vorstand und Kaspar Brandl als Kommandant abgelöst.

Die Wehr aktivierte sich so, dass bereits am 23. März 1907 dem Schuhmachermeister Anton Ludwig, Herdweg, im Namen Seiner Majestät durch allerhöchste Verordnung ein Ehrenzeichen verliehen wurde. Die Verleihung erfolgte bei der Bezirksfeuerwehrversammlung in Steinhöring.

Während des 1. Weltkrieges 1914 - 1918 trat die Wehr etwas in den Hintergrund, um aber 1919 mit Vorstand Georg Neumüller, Unterschwillach und Matthias Neumayer, Ottenhofen, als Kommandant die Tradition, Pflichtbewusstsein, Disziplin und Geselligkeit neu aufleben zu lassen. Von da ab bis heute leuchtete das Licht der Feuerwehr Ottenhofen - je nach Vorstandschaft und Zeitwirrnisse - hell oder heller. In dieser Zeit bis 1957 teilten sich in der Verantwortung die Herren Kaspar Zehetmair, Bartl Weißacher, Josef Neumayer und Franz Schwanzer.

Unter dem jungen, zielstrebigen Kommandanten Josef Kern wurde die Wehr neu belebt. Der traditionelle Feuerwehrball war ein voller Erfolg. Eine ins Leben gerufene Theatergruppe brachte den nötigen Aufwind und harmonischer Ausflug rundete das Jahr 1957 ab. Franz Schwanzer wurde zum Ehrenkommandanten ernannt.

1949 Neubau Gemeindehaus.jpgNeues Gemeindehaus 19491958 wurde das 70 jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe durchgeführt. Die Freiwillige Feuerwehr Markt Schwaben konnte mit ihrem großartigen Spielmannszug als Patenverein gewonnen werden. 36 Vereine fanden sich ein. Im Schlosshof wurde das Festzelt aufgeschlagen, ein bunter Abend mit Georg Blädel u.a. sorgten für Stimmung. Ehrenzeichen in Gold wurden durch den Abgeordneten und stellv. Landrat Weinhuber an folgende verdiente Mitglieder überreicht: Franz Schwanzer, Franz Zehetmair, Johann Haas, Peter Bauer und Ludwig Anton.

Die Wehr wurde modernisiert. Bereits 1949 wurde ein kombiniertes Gemeinde- und Feuerwehrhaus erbaut. 1963 eine Metz Tragkraftspritze TS 8/8 mit VW-Motor zum Preise von DM 4569,- angeschafft. Am 30. April 1969 kam das Ziegler Tragkraftspritzenfahrzeug mit DM 14585,- dazu. Die Indienststellung des Ford Feuerlöschfahrzeuges wurde am 7. Dezember 1969 mit der Einweihung durch Pfarrer Bösing vollzogen.

Nach neuen Einnahmequellen Ausschau haltend, wurde 1971 erstmals im Siggenhofener Wald ein Waldfest abgehalten. Der schön gelegene Platz fand allgemeine Bewunderung. Ein gelungenes Fest, das bis Mitte der 80er alljährlich aufrecht erhalten wurde.

Historisch einmalig darf die Initiative von Vorstand Peter Werndl und Kommandanten Josef Kern angesprochen werden, die die Feuerwehr inspirierte 1972 einen Faschingszug mit Fußballspiel "Feuerspritzen gegen Frühschoppen AG" durchzuführen. Der Faschingsauftakt fand so große Resonanz, dass über 120 Mitwirkende und 26 Wagen teilnahmen. Bei strahlendem Sonnenschein umsäumten einige tausend Schaulustige die Straße und den Sportplatz Ottenhofens.

Nach 18 jähriger Tätigkeit dankte Kommandant Kern am 21. März 1975 ab und wurde zum Ehrenkommandanten ernannt. Dessen Nachfolger Georg Mittermüller, Grund, war bedacht den Ausbildungsstand der Wehr noch mehr zu fördern. Die bereits in den Jahren 1967 und 1968 abgelegten Leistungsprüfungen in Bronze wurden versilbert.

In der Nacht vom 23./24. Juni 1975 war die Wehr im Hochwassereinsatz. In der Gartenstraße waren die Keller überflutet, die Staatsstraße teilweise gesperrt. In unermüdlichen Einsatz war am Morgen des 24. Juni 1975 die größte Gefahr beseitigt. 1975 wurde die Funkalarmierung fertiggestellt.

Am 3. Oktober 1977 wurde die Wehr durch den tödlichen Arbeitsunfall der 37- jährigen Kommandanten Georg Mittermüller schwer erschüttert. Ein weiterer tödlicher Arbeitsunfall am 12. August 1984 des 2. Kommandanten Anton Mayr im Alter von 34 Jahren hat tiefe Wunden hinterlassen. Beide Kameraden wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, der umliegenden Feuerwehren und der Kreisbrandinspektion im Friedhof Taing zur Ruhe gebracht.

Fahne Ottenhofen.jpgFahne FFW OttenhofenAb 1977 war Kaspar Mittermüller 1. Kommandant. 1978 wurde in Eigenregie durch die Wehr ein Mehrzweckraum im Gemeindehaus geschaffen, der Ausbildungsstand wesentlich verfestigt, was seinen Widerhall im Ablegen der Leistungsabzeichen widerspiegelt.

Am 11. Mai 1984 legten Leistungsabzeichen in Bronze, Silder, Gold, Gold mit blauem und grünem Hintergrund ab: in Gold Alois Tiefenmoser, Hermann Jeske; in Gold mit blauem Untergrund Anton Mayr, Josef Reischl; in Gold mit grünem Untergrund Kaspar Mittermüller, Alois Hundhammer, Wolfgang Neumayr, Ludwig Riedl, Martin Zehetmair.

Die Sirenen im Gemeindegebiet wurden mit Funksteuerung versehen, die Wehr im gesellschaftlichen Bereich großartig verankert.

Durch das bayerische Feuerwehrgesetz vom 23. Dezember 1981 und der Verordnung vom 30. März 1983 gliedert sich die Feuerwehr in "Freiwillige Feuerwehr" und in den Förderverein. Die Freiwillige Feuerwehr untersteht damit nach Art. 4 Abs. 1, Satz 2 der Gemeinde. Nach Art. 5 Abs. 1 Bay.FWG werden die Einsatzkräfte in der Regel vom Förderverein gestellt. Damit wird zugleich die wichtigste Aufgabe des Vereins angesprochen. Der Förderverein Freiwillige Feuerwehr Ottenhofen nimmt damit die Tradition der 1888 gegründeten Wehr an und führt diese im Sinne der Vorfahren weiter. Der Förderverein Freiwillige Feuerwehr Ottenhofen e.V. wurde am 24. April 1984 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Erding eingetragen.

Vorstände und Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Ottenhofen:

Kommandanten:

1880: Reiner Martin
1887 - 1890: Neumaier Andreas
1890 - 1894: Harainer Simon
1894 - 1906: Altmann Martin
1906 - 1919: Brandl Kaspar
1919 - 19??: Neumüller Georg
1957 - 1975: Kern Josef
1975 - 1977: Mittermüller Georg
1977 - 1993: Mittermüller Kaspar
1984 - 1993:
     1. Mittermüller Kaspar, 2. Zehetmair Martin
1993 - 2005:
     1. Lippacher Georg, 2. Zehetmair Martin
2005 - 2011:
     1. Scherer Matthias, 2. Rappold Ernst
2011 - 2013:
     1. Scherer Matthias, 2. Brandlmeier Hermann
2013 - heute:
     1. Brandlmeier Hermann, 2. Wagner Florian

 

 

 

Vorstände:

1880: Zehetmaier Kaspar
1887 - 1891: Neumüller Martin
1891 - 1901: Brummer Anton
1901 - 1906: Erhard Lacher
1906 - 1919: Selmaier Georg
1919 - 19??: Neumayr Matthias
1957 - 1962: Kern Josef
1962 - 1993: Werndl Peter
1993 - 1999: Mittermüller Kaspar
1999 - 2023: Greckl Josef
2023 - heute: Speer Stefan